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Thema: War die Erziehung früher besser?

  1. #1

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    Standard War die Erziehung früher besser?

    "Früher war alles anders", das hören wir Eltern oft von unseren Eltern. Viele von den "Älteren" sehen heute mit einem gewissen Argwohn, wie "verwöhnend" wir unsere Kinder heute erziehen.



    Zum aktuellen wirbelwind-Artikel "Kindheit im Wandel" (zu finden unter der wirbelwind-Rubrik Familienleben) hat sich ein dreifacher Papa in der Redaktion per mail zu Wort gemeldet. Mit seiner Erlaubnis drucken wir hier seine Gedanken zu diesem spannenden Thema rund um Erziehung und Familienleben ab. Wir freuen uns auf rege Diskussionsbeiträge....



    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit großem Interesse habe ich die Artikel zum Kindsein im "Wandel der Zeit" gelesen.



    Ich stimme Ihnen zu, dasss die Verhältnisse, wie sie früher waren, inakzeptabel und keinesfalls wiederholungswürdig sind.



    Jedoch gefällt mir eines nicht in Ihrer Betrachtung:

    Das Kind mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt der Familie zu rücken, ist meiner Meinung nach ein Schritt zu weit gegangen.



    Das wichtigste ist die Familie als ganzes, die funktionieren muß, und die wiederumm ein Teil usnerer Gesellschaft ist, in der wir alle leben.



    Eltern, die sich selbst ständig zurücknehmen, um das Wohl des Kindes willen, sind auf Dauer frustriert und können keine positive Lebernseinstellung vermitteln.



    Die alten Zeiten haben auch gezeigt, was Kinder alles können, und dass man sie nicht von einer Aktivität in die nächste schicken muß, um Selbstbewußtsein und soziale Kompetenzen (auch so ein Schlagwort) zu fördern.



    Ein Kind kann relativ früh Aufgaben in der Familie übernehmen, die ihm mir zunehmenden Alter eigenverantwortlich zugeteilt werden.

    Früher waren dies lebensnotwendige Dinge, die den Erhalt und die Existenz der Familie sicherten. Dies ist heute Gott sei dankt nicht mehr notwendig, aber es gibt genug andere Dinge, in die Kinder im häuslichen Alltag eingebunden werden können.



    Ich kann nicht verstehen, daß ich, wenn ich Praktikanten habe, 90% von ihnen erst erklären muß, wie man eine Besen benutzt, um den Arbeitsbereich zu reinigen, daß man, wenn man früher geht, diese Dinge auch früher angehen muß, und tägliche Pflichten immer erledigt werden müssen, ohne extra nachzufragen, und dass man eine aufgetragene Aufgabe ordentlich bis zum Ende ausführt und nicht einfach aufhört, wenn man keine Lust mehr hat.



    Dieselben Kinder gehen zigmal die Woche in Aktivitäten, für die sie vermutlich vorher noch die Sachen gepackt bekommen und hingefahren werden, selbst wenn sie alt genug sind, öffentlich Verkehrsmittel zu benutzen.

    (vor unserem Gymnasium sah ich letztens ein Kind, bei dem die Mama ausstieg, um den Ranzen aus dem Kofferaum zu holen, um ihn dem Mädchen aufzusetzen)



    Warum kann nicht auch ein Taschengeld an gewisse wöchentliche Pflichten gebunden sein?

    Später bekommet man auch nur einen anständigen Lohn, wenn man dafür anständige Arbeit abliefert.

    Wenn eine gesunde Einstellung zum Geld (das immer erst von jemanden verdient werden muß), da ist ändert sich vielleicht auch das Konsumverhalten.



    Die Ausbildung ist angeblich besser geworden, aber wieso wird dann das Eintrittsalter in den Beruf immer später?



    Es muß doch auch unser Aller Interesse sein die Kinder auf ein befriedigendes und auch langes Berufsleben (Beruf-Berufung?) vorzubereiten, damit Sie auch später im Alter eine ausreichende Rente haben.

    Das ewig Spass haben geht doch nur so lange, wie es von Mama und Papa finanziert wird, und je länger es dauert, desto später kriegt man die Kurve.



    Der Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenleben muß doch fließend erfolgen, momentan erlebe ich eher Schockzustände, wenn Jugendliche plötzlich merken, wie es ist 8 Stunden am Tag zu arbeiten.



    Ich sehe Erziehung als eine täfgliche Gratwanderung zwischen Richtig und Falsch und begehe auch Abstürze in beide Richtungen zu denen ich stehe, denn auch nichts ist so richtig, das es im Extrem nicht wieder schlecht wird.



    Die Anleitungen, die uns Eltern helfen sollen, sehe ich nur als sehr einseitig.



    In einer Gesellschaft hat jeder seinen Platz und seine Funktion, und die der Kinder ist in erster Linie Kind sein, aber sie sollten auch angeleitet werden, selbst beizutragen zu einem positiven Miteinander, dann hätten wir auch mehr Eltern.



    Viele schreckt es ab, Eltern zu sein, weil sie denken, sie müssten ihre eigenen Bedürfnisse für lange Zeit ganz weit zurücknehmen.

    So sieht es nämlich aus, wenn man sich die meisten Erziehungsratgeber ansieht.





    Ich wünsche mir mehr Ratgeber für ein verantwortungsvolles Miteinander.

    Ich bin kein Journalist und kann nicht immer so gut in Worten ausdrücken, was mich bewegt, aber ich bin Vater dreier Kinder und kämpfte täglich mit diesen Dingen, die ich hier zum Ausdruck bringen wollte.


    Mit freundlichen Grüßen, R. Blasius

  2. #2

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    ich werde mich jetzt eher kurz fassen, halte es aber auch für falsch, kinder zum lebensmittelpunkt und -zweck zu erklären. ich kenne einige paare, die ihr kind als "projekt" betrachten, bestimmten erziehungs- (oder auch nicht-erziehungs) modellen anhängen und praktisch kein eigenes leben mehr haben. sowas wirkt auf noch-nicht-eltern sicher abschreckend!
    wir haben selbst zwei kinder, 3 und fast 5, haben keinen einzigen erziehungsratgeber gelesen und haben letztens ein, wie ich finde, wirklich schönes kompliment von einem verwandten bekommen, den wir nur ca. einmal im jahr sehen: "eure kinder sind die normalsten, die ich seit langem gesehen habe."

  3. #3

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    Standard Unselbstständige Kinder?

    Das ist wirklich ein schönes Kompliment, das Ihre Kinder da bekommen haben! Leider ist das ja heute oft nicht mehr an der Tagesordnung, dass Kinder ganz "normale" Kinder sein dürfen, oder doch?

    Was meinen denn die anderen Eltern zu der Meinung des Papas Rainer Blasius unten?
    Erziehen wir unsere Kinder wirklich zu unselbstständigen Kindern, die nicht wissen, wie ein Besen zu halten ist? Verwöhnen wir die Kleinen wirklich zu sehr - und sind nicht streng genug?

  4. #4

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    Ich denke früher war es halt anders. Wir sind anders aufgewachsen, als jetzt meine Kinder aufwachsen. Ich habe noch auf der Straße mit Freunden gespielt und wenn ein Auto kam sind wir zur Seite gegangen. Das klappt heute nicht mehr. Da können die Kinder direkt auf dem Bürgersteig spielen, soviel Autos die selbst in Wohngebieten fahren. Auch waren bei uns rundrum viele Kinder in der Nachbarschaft, das hat in unserem Fall unser Sohn auch leider nicht. Wir fahren aber viel mit dem Fahrrad zu den Freunden oder laufen zu Fuß. Aber ich bin meistens dabei. Zu dem nahegelegenen Spielplatz darf unser Großer (7 Jahre) alleine.
    Trotz allem finde ich war früher in der Erziehung nicht alles besser oder schlechter. Ich finde es heute besser, das man Kinder auch akzeptiert und nicht mehr schlägt (sollte jedenfalls nicht so sein), auch das die Kinder nein sagen wenn ihnen etwas nicht gefällt finde ich gut und habe meine Söhne auch so erzogen. Obwohl es manchmal anstrengend ist, ich gebe es zu. Meine Söhne müssen aber auch mithelfen, sind zwar Kleinigkeiten, aber wie man fegt wissen sie z.B.
    Früher hatten die Kinder aber mehr Respekt vor den Älteren. Ich finde Respekt gehört generell dazu. Egal ob alt oder jung. Das muss man auch den Kindern heute beibringen. Natürlich dürfen sie nein sagen wenn sie z.B. nicht "angefasst" werden wollen. Meine Kinder mussten nie küssen. Auch uns nicht. Wenn sie es gerade nicht wollten, haben sie nein gesagt und wir haben es respektiert.

  5. #5

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    Ich glaube heute werden viele Eltern verunsichert durch die 1000 Ratgeber, die es für alles und jedes Problem gibt, das man vielleicht gar nicht wusste angeblich zu haben und dann noch die 1000 Sendungen im Fernsehen, die es dazu gibt... Da muss man ja Angst kriegen alles falsch zu machen!
    Kinder kriegen heute soviele Angebote und müssen alles mögliche am besten schon als Baby gelernt haben (wie z.B. irgendwelche Sprachangebote... - man kriegt als Eltern ja schon direkt ein schlechtes Gewissen, wenn die Kinder bis zum Kindergartenanfang nicht wenigstens einen Englischkurs hinter sich haben...), dass von vielen vergessen wird, dass man die Kinder auch mal einfach Kinder sein lassen sollte, die einfach nur spielen dürfen und lernen sich mit sich selbst zu beschäftigen und sich selber etwas zuzutrauen. Viele Kinder kommen durch ihre diversen Freizeitaktivitäten, Sport-, und Musikvereine schon fast in Stress - da bleibt für viele normale/einfache Dinge wie z.B. einfach mal Helfen beim Tisch decken, selbst einkaufen oder so schon gar keine Zeit mehr...
    Durch die Medien wird einem auch oft suggeriert, dass die Welt für Kinder sowieso viiiieeel zu gefährlich ist - wenn den Kindern aber alles abgenommen wird können sie natürlich nicht selbstständig werden...
    Ich finde es sehr wichtig, dass Kinder lernen, nach ihren Möglichkeiten im Haushalt mit anzupacken! Und Respekt vor anderen Menschen und auch dem Eigentum von anderen zu haben, sollten sie lernen.
    Heute wollen viele Eltern für ihre Kinder einfach zu viel und trauen ihnen dazu zu wenig zu!
    Liebe Grüße Lisbett

  6. #6

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    Standard Respekt vor Eigentum

    Liebe Lisbett,

    schön, von Ihnen zu lesen. Das mit dem Respekt finde ich einen interessanten Ansatz. Haben Kinder denn heute genügend Respekt, z.B. vor dem Eigentum anderer Leute? Immer wieder beobachte ich bei "Mutter-Kind-Kaffeekränzchen" im Bekanntenkreis, dass die eingeladenen Kinder hemmungslos im Wohnzimmer auf der Sofagarnitur herumspringen. Manchmal dauert es lange, bis die Mütter es bemerken und dann - wenn überhaupt - ihre Kinder ermahnen, davon abzulassen. Jetzt, da wir in ein Haus gezogen sind und vieles neu gekauft haben, achten wir als Eltern besonders darauf, dass vor allem unsere eigenen Kinder den Möbeln mit "Respekt" begegnen, klar können sie alles benutzen, aber sie haben schließlich auch einen Kinderspielbereich - und da gehören sie, wie ich finde, auch hin. Vielleicht bin ich da auch noch ein wenig "altmodisch" geprägt von meinen Eltern und ihrem Erziehungsstil, aber - und da haben wir wieder die vermeintlich guten alten Zeiten - in meiner Kindheit haben wir Kinder, wenn wir Freunde zu Besuch hatten, nie im Wohnzimmer gespielt, und ich hätte wiederum niemals Anlauf gemommen, um bei den Eltern meiner Freundin einfach aufs gute Ledersofa zu hüpfen....
    Da müsste meiner Meinung nach heute auch noch mehr auf Respekt in der Erziehung Wert gelegt werden! Wie seht Ihr anderen das?
    Schönen Tag noch, Christina

  7. #7

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    Oh ja, das mit dem Sofa ist mir aus der Seele geschrieben...
    Wir haben auch so ein Springmodell im Freundeskreis, die Mama scheint das aber sehr gut ignorieren zu können. Ich werfe dann gerne mal ein, dass Erziehung nicht vom Stuhl aus funktioniert. Man muß schon direkt mit den Kindern sprechen. Nach zehnmal rufen, "laß das bitte seeeein" ist das schon nervig.
    Von Erziehungsratgebern halte ich auch überhaupt nix, das eigene Bauchgefühl ist der beste Ratgeber. Und ich schaue mir gerne bei Freunden was ab, wenn es da etwas gibt, was im Alltag gut klappt.
    Zur Selbständigkeit kann ich nur sagen, dass wir versuchen unsere Kinder früh zur Selbständigkeit zu erziehen. Meine Große muß da schon einen Handschlag mehr machen, als die Kleinen. Das erwarten wir einfach, fertig. Auch muß sie mal auf den Kleinen acht geben, wenn ich z.B. das Essen koche. Das halten andere Eltern sicher anders, aber wenn ich sie hinter her lobe, fühlt sich schon richig groß und ich denke nicht, dass das zuviel für sie ist.

  8. #8

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    ich bin in einer familie mit sieben kindern aufgewachsen (bin die jüngste), und wir kinder wären nie auf die idee gekommen, auf dem wohnzimmersofa rumzuhüpfen oder unser ganzes spielzeug in den bereich der eltern (und den finde ich sehr wichtig) zu tragen! klar liegt heute, in meiner eigenen familie, auch mal was rum, aber das wird spätestens am nächsten tag wieder aufgeräumt. so halten wir es übrigens auch mit den kinderzimmern - oder sogar noch "strenger", denn dort räumen wir jeden abend vorm schlafengehen auf. wir als eltern möchten nicht in einem chaotischen zimmer schlafen und denken, daß das auch den kindern nicht guttut. das bringt auch eine gewisse struktur in den abend, die kinder wissen, jetzt bereitet sich auch das zimmer aufs schlafengehen vor...
    uns wurde schon oft gesagt, besonders von älteren leuten, wie "gut erzogen" unsere kinder doch seien - dabei mag ich diesen ausdruck gar nicht so gern, klingt etwas nach dressur - aber wenn man dann nachfragt, meinen sie damit, daß unsere kinder vorher fragen, wenn sie etwas haben möchten, und "bitte" und "danke" sagen, und ähnliches... was sie bei uns übrigens längst nicht immer tun , aber wenn wir ihnen quasi "nebenbei" oder durch eigenes vorbild respekt vor anderen menschen beigebracht haben, macht mich das schon ein bißchen stolz!

  9. #9
    Avatar von B1ene
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    Bei der Diskussion fällt mir leider auch die Brutalität von damals ein. Schläge waren ganz normal. Immer wieder treffe ich in Gesprächen mit verschiedenen Leuten zusammen, weil diese nichts gegen einen Klapps und ähnliches haben. Ich kann und will das nicht akzeptieren. Ich dachte, diese Zeiten wären vorüber und würden lediglich durch -entschuldigt- dumme Leute, denen sonst nichts mehr einfällt, aufrecht erhalten. Ich denke aber in der Tat, dass sie das Verhalten der Kinder maßgeblich verändert hat. Zu einem gewissen Teil haben sich auch die Eltern weiterentwickelt und doch scheinen Kinder heute mehr zu trotzen, keinen Respekt zu haben oder sonstige Auffälligkeiten zu zeigen. Das liegt aber eben auch an den veränderten Arbeits- und Lebensbedingungen.
    Liebste Grüße, Biene

  10. #10

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    Das Kinder heute anders sind als früher, das liegt einzig und allein an der Erziehung im Elternhaus und Schule. Als ich zur Schule ging, da waren wir auch keine Engel und wir bekamen Strafarbeiten auf. So mussten wir an einem Samstag in der Schule sauber machen, weil wir Papierschnipsel rumgeworfen haben. Ein anderes Mal gab es extra viele Hausaufgaben. Ich hätte mich nie bei meinen Eltern darüber beschwert, denn ich war ja selber Schuld. Meine Eltern sind auch nicht in die Schule gerannt und haben sich beschwert, sie haben gelächelt und gemeint "na vielleicht fällt das auf fruchtbaren Boden". Ich kann mich nicht an Schläge erinnern aber an Hausarbeit, die ich erfüllen musste. Nur so gab es Taschengeld (denn es gab noch keine Tabelle, die das Taschengeld bestimmt). Wenn ich mir das heute so ansehe, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Schon im Kindergarten ist mir das aufgefallen-Eltern gehen nicht mehr zu Elternabenden. Sie informieren sich nicht über ihr Kind und das behalten sie in der Schulzeit bei. Wie wollen die dann ihren Kindern helfen, wie sich in die Schule einbringen? Wie wollen sie ihren Kindern klar machen, das die Kinder ihnen wichtig sind?

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