Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 26

Thema: Ganztagsklasse ja oder nein?

  1. #1
    Avatar von sandrakremer
    Registriert seit
    24.08.2009
    Ort
    Friedberg/Bayern
    Beiträge
    61

    Frage Ganztagsklasse ja oder nein?

    Mein Sohn wird nächstes Jahr im September eingeschult, d.h. ich müsste ihn bereits im Dezember für den Hortplatz anmelden.
    Bei uns in Friedberg bietet die Grundschule aber auch eine Ganztagsklasse an, die Kinder sind von 8:30h - 15:30h "verräumt" und das Programm liest sich natürlich super:

    Zu den klassischen Unterrichtseinheiten und differenzierenden Stunden, in der die Kinder in kleineren Gruppen mit mehreren Pädagogen individuell üben,kommt die Kooperation mit externen Partnern wie beispielsweise der Musikschule, dem TSV Friedberg, einer professionellen Tanzlehrerin und einer Kampfkunstschule hinzu. Nachdem die Kinder "den ganzen Tag" in der Schule sind, brauchen sie natürlich mehr Platz. Neben dem normalen Klassenzimmer gibt es daher einen Gemeinschaftsraum für die Mittagszeit und für Differenzierungsangebote.


    Hat jemand von euch Erfahrung mit einer Ganztagsklasse? Wird das nicht zuviel für die Kinder, so lange in der Schule zu sein? Ich finde es fast schäbig, sein Kind den ganzen Tag dort unter zu bringen, wer hätte das schon selbst damals als Kind gewollt?



  2. #2

    Standard

    Aber ist es nicht genauso wie im Hort? Morgens wird in der Schule gelernt, nach Schulschluß gibt es Mittagessen, dann Hausaufgaben und nachmittags haben sie eben Freizeitangebote.
    Ich würde andere Mütter fragen, die ein Kind in der Klasse haben, wie es ist.

    Mein Sohn ist auch ganztags betreut. Allerdings ist es bei uns anders geregelt. Auf dem Schulgelände gibt es ein seperates Gebäude, dorthin gehen alle Kinder von der 1. - 4. Klasse die bis nachmittags bleiben. Dort essen sie, im Schulgebäude in einem Raum werden Hausaufgaben gemacht. Danach gibt es Angebote oder sie können einfach nur spielen.

  3. #3
    Avatar von elseken
    Registriert seit
    20.01.2010
    Beiträge
    140

    Standard

    Unsere Schule bietet die "sogenannte" Ganztagsschule seit diesem Schuljahr an.
    Von Schule zu Schule unterscheidet sich zum Beispiel die Qualität des Mittagessens, die Fähigkeit der Betreuer/innen und natürlich auch die Qualität der Angebote (wobei die ja innerhalb einer Schule schon sehr weit auseinandergehen können, je nach Können der Anbieter)
    Ich würde mich als Mutter fragen:
    - kommt mein Kind gut mit vielen verschiedenen Bezugs/Betreuungspersonen aus
    - ist mein Kind eher langsam oder von der flotten Sorte, bei langsamen Kindern gibt es z.B. Probleme die Hausaufgaben in der Hausaufgabenbetreuung zu schaffen, und nach dem Ganztag ist i.d.R. dann keine Zeit und Energie mehr um Hausaufgaben zu machen, bzw. sollen diese nach dem Ganztag auch nicht mehr gemacht werden.
    - Sprechen die Angebote mein Kind an, oder muss es dann "irgendwas" machen

    Der offene Ganztag kann durchaus eine Bereicherung für Kinder sein. Bei uns wir sich immer nur für ein halbes Jahr angemeldet zwischen 1-3 ganzen Tagen, so dass auch ein Versuch möglich ist. Und ich würde auch nicht sagen, dass es zu viel für die Kinder wird. Die Kinder an unserer Schule freuen sich länger mit ihren Freunden zusammen zu sein und so ganz unkompliziert mit ihnen spielen zu können.

    Der Vorteil beim Hort ist mM nach, dass man wirklich eine zuständige Erzieherin für sein Kind hat und je nach Hortkonzept auch mehr Zeit für Hausaufgaben bleibt.

  4. #4
    Avatar von sandrakremer
    Registriert seit
    24.08.2009
    Ort
    Friedberg/Bayern
    Beiträge
    61

    Standard

    Ich denke, ich werde Frederik "ganz normal" im Hort anmelden:
    ich arbeite 2x ganztags und 1x halbtags, da möchte ich ihn nicht auch noch an meinen freien Tagen "abschieben".

    Ich habe auch noch einen interessanten Artikel zum Thema gefunden:
    http://www.lehrerverband.de/memganz.htm

    ....."Die Bedeutung der außerschulischen Erfahrungen für die Persönlichkeitsentwicklung
    Für Heranwachsende ist es wichtig, in einem verlässlichen und zugleich anregenden Umfeld aufzuwachsen. Ein Elternhaus, das Verlässlichkeit und über die Familie hinaus zugleich Vielfalt in der Begegnung mit Mensch, Natur und Kultur bietet, ist die ideale Lösung.
    Ganztagsbetreuung und Ganztagsschule schränken das Spektrum an Erfahrungen erheblich ein. Das Außerschulische wird nahezu ausgeschlossen. Und damit geraten die gerade in Deutschland sehr vielfältigen Möglichkeiten der Jugendarbeit an den Rand, nämlich die Angebote der Sportvereine, der kirchlichen Jugendgruppen, der Musikschulen usw. Kurz: Es gibt auch ein Leben außerhalb der Schule. Dieses Leben in seiner gesamten Bandbreite darf in der Entwicklung Heranwachsender nicht zu kurz kommen. Schule und staatlich gelenkte Freizeit dürfen nicht alleiniger Lern- und Erfahrungsraum für Schüler sein. Schule hat die Vielfalt der Angebotspalette der Vereine und Kirchen, auch den Reichtum der unverplant und spontan gestalteten Freizeit zu achten. Eine Totalverplanung der Kinder und eine drohende Gettoisierung bestimmter Sozial- und Schülergruppen wäre auch staatsbürgerlich höchst bedenklich. Ein Mehr an Aufenthalt in der Schule könnte vielen Kindern die Schule zudem verleiden.
    Junge Menschen werden durch Ganztagsbetreuung und im Besonderen durch Ganztagsschule weitgehend verplant. Es wird damit eine zeitliche Beanspruchung erreicht, die den normalen Wochenarbeitsumfang der Erwachsenen überschreitet. Für die meisten Schüler bedeutet dies eine erhebliche Überforderung."

    Wenn ich Vollzeit arbeiten müsste und z.B. alleinerziehend wäre, würde ich ihn wohl trotz dieses Artikels in einer Ganztagsklasse anmelden.

  5. #5

    Registriert seit
    25.11.2010
    Beiträge
    184

    Standard Ganztagsklasse/Hort

    Hallo,
    bis jetzt war ich immer "nur "eine stille Mitleserin, aber zum Thema Ganztagsschule/Betreuung und gerade auch zu dem Artikel des Deutschen Lehrerverbandes (in sandrakremers Beitrag) möchte ich mal meinen Senf dazu geben. Ich muß dazu sagen, dass mich dieses Thema erst in einigen Jahren beschäftigen wird, meine Tochter ist mit 20 Monaten gerade erst in den Kindergarten gekommen. Geboren und aufgewachsen bin ich in der ehemaligen DDR und hatte den "Luxus" nur in der 1. Klasse nach der Schule in den Hort zu gehen. Dort wurde Mittagschlaf gehalten(!) und eine Nachmittagsbetreung angeboten. Die Schulausbildung war so geregelt, dass alle Kinder von der 1.-10. Klasse an zusammen lernten, Schulbeginn war ca. 8 Uhr morgens, es gab geregelte Frühstücks- und Mittagspausen, in denen von der Schule Milch angeboten wurde und ein warmes Mittagessen für wenig Geld, kinderrreiche Familien mußten nicht mal diese Beiträge zahlen. Manche Klassenkameraden mußten schon in den Frühhort ab 6 Uhr morgens, die haben mir auch leid getan. Hortbetreuung gab es glaube ich bis zur 4. Klasse, auch sonst bot die Schule Freizeitaktivitäten an, sogenannte AGs (Arbeitsgemeinschaften). Der Unterricht ging immer bis zum frühen Nachmittag, in den höheren Klassen und in den Abiturklassen gab es bis zu 8 Stunden tgl. 1x in der Woche, oder auch "0. Stunde" mit Beginn um 7 Uhr morgens.
    Der Argumentation des Deutschen Lehrerverbandes, Kinder hätten in einer Ganztagsbetreuung nicht mehr genügend Zeit für das reiche außerschuliche Freizeitangebot, muß ich teilweise widersprechen. Erstens muß, gerade auch bei jüngeren Schulkindern, eine Betreuung nach der Schule sichergestellt sein. Wenn es die Eltern übernehmen sollen, heißt das entweder nur ein Elternteil ist erwerbstätig (oft der Vater) und das Herumkutschieren der Kinder zu den Nachmittagsaktivitäten bleibt am Anderen (oft der Mutter) hängen. Was ist nun, wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten??Zweitens, außerschulische Angebote sind oftmals auch nicht umsonst oder preiswert, wer soll das bezahlen?Vielleicht noch bei mehreren Kindern? Richtig ist, das die Schule in erster Linie einen Bildungsauftrag zu leisten hat, dann erst Erziehung. Für die Kinder aus den sog. bildungsfernen Schichten hat m. E. ein sinnvolles Freizeitangebot in der Schule mehr Nutzen, als wenn sie nachmittags auf der Straße "abhängen", denn die Eltern kommen ihrem Erziehungsauftrag so oder so nicht nach. Als letztes noch zu den "überlangen Arbeitszeiten" eines Schülers, die oftmals an die von Erwachsenen heranreichen: in vielen Branchen sind 40 h/Woche, mit Überstunden oftmals viel länger, üblich (Vollzeit); kein Schüler hat so lange Unterricht am Tag! Wenn die Schulabgänger dann eine Ausbildung/Studium beginnen und später dann auch arbeiten müssen: willkommen im wahren Leben! Mir jedenfalls hat meine Schulzeit nicht geschadet (wir hatten übrigens auch JEDEN Samstag Schule!).

  6. #6
    Avatar von elseken
    Registriert seit
    20.01.2010
    Beiträge
    140

    Standard

    Noch etwas zum "Deutschen Lehrerverband" dies ist eine erzkonservative Vereinigung, die sich wahrscheinlich die Betreuung der Kinder am Nachmittag durch die allerhöchsten halbtags berufstätige Mutter vorstellen. Die überaus engagierte Mutter (sicherlich ist sie Akademikerin) wird dann natürlich auch das musisch-kulturelle Vorankommen ihre Sprösslinge managen. Sollte die Mutter nicht so engagiert sein, ist das auch kein Problem, die Hauptschulen sollen ja erhalten bleiben. *ironie-modus off*

    Wer sich sein eigenes Bild machen will http://www.lehrerverband.de/

  7. #7
    Avatar von elseken
    Registriert seit
    20.01.2010
    Beiträge
    140

    Standard

    @maria-esther: Du hast da einen wichtigen Punkt aufgegriffen, und zwar, dass durch Ganztagsangebote mehr Chancengleichheit unabhängig vom Elternhaus erreicht werden kann. Ich kann jetzt nur für unser Bundesland (Nds.) sprechen. Hier wird durch Unterfinanzierung diese Chance nicht wahrgenommen. Die Ganztagsschule ist ein Sparmodell, sie ist nicht verpflichtend, und wird nicht durch Lehrerstunden versorgt. Die relativ teuren Lehrerstunden werden kapitalisiert und davon werden Honorakräfte bezahlt. teilweise führt dies zu prekären und arbeitsrechtlich fragwürdigen Beschäftigungsverhältnissen der Honorarkräfte, und es bietet den Kindern eher Beschäftigung als sinnvolle Bildungsangebote, das ist sehr schade. Es geht mir nicht darum die Kinder ihrer Freizeit zu berauben, sondern eher um die erschreckende Tatsache wie viele Kinder ohne so genannte kulturelle Grundfertigkeiten (lesen, schreiben und rechnen) die Schule verlassen.

  8. #8

    Registriert seit
    13.02.2011
    Beiträge
    2

    Standard

    Ganztagschule oder nicht soll jeder selbst entscheiden.
    Allerdings möchte ich nicht eines Tages in die Situation kommen, dass es irgendwann nichts anderes als Ganztagsschulen gibt.
    Frankreich ist da so ein Beispiel. Da gibt es keine Wahlmöglichkeit. Gnadenlos werden auch die Allerkleinsten schon fremdbetreut und die Kindergärten und Schulen sind extrem lang. Famlienleben ist da überhaupt nur in den Ferien drin.

  9. #9

    Registriert seit
    28.05.2009
    Beiträge
    40

    Standard

    Hallo whitetiger,
    Ganztagsschule heißt, das Kind kann den ganzen Tag betreut werden, muss aber nicht. Auch in Frankreich werden die Eltern nicht vom Staat gezwungen, ihre Kinder abzugeben. Also auch, wenn es in Deutschland nur Ganztagsschulen gäbe, dürften die Kinder nach Unterrichtsschluss nach Hause. Es wird niemand gezwungen, das Kind bis 17 Uhr in der Schule zu lassen.

  10. #10

    Registriert seit
    13.02.2011
    Beiträge
    2

    Standard

    Hallo Dicojoja,

    was ich meinte sind GEBUNDENE Ganztagschulen, die sind verpflichtend. Wenn es eine Tage nur noch diese Schulform geben sollte, wäre das ein erheblicher Eingriff ins Familienleben. Ich habe Dir dazu noch an Deine Adresse einen Focus-Artikel dazu geschickt.

Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. Hausgeburt Pro oder Contra
    Von fraubianca im Forum Schwangerschaft
    Antworten: 35
    Letzter Beitrag: 27.02.2019, 21:28
  2. Krabbelgruppe ja oder nein?
    Von valburgamager im Forum Kindesentwicklung
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 28.12.2014, 14:44

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •